Viel Selbstkritik beim World Halal Forum in London

London (BZZ) – Die „Islamische Zeitung“ als Medienpartner des Word Halal Forum Europe (WHF) lobt in ihrer neuesten Online-Ausgabe das World Halal Forum, weil dort auch problematische Seiten des teilweise ungeregelten Halal-Marktes angesprochen worden seien. Das zweitägige Forum in der vergangenen Woche war zwar laut Medien gut besucht, fand in Deutschland in der Halal-Branche aber nur ein eher bescheidenes Echo.

Das WHF Europe ist ein Ableger des 2004 in Kuala Lumpur gegründeten World Halal Forum und soll nicht zuletzt die gegenwärtige Führungsrolle von Malaysia weltweit verteidigen und möglichst weiter ausbauen. Nicht nur die Zertifikation von Halal-Produkten, auch die Beratung und die Festlegung von Standards ist inzwischen zum Geschäft geworden. Nur ein einziger deutscher Zertfiizierer fand in London den Weg auf das Podium, Mahmoud Tatari aus Rüsselsheim, kürzlich von der Nachrichtenagentur Malaysias wegen seiner Partnerschaft mit den lokalen Religionsgelehrten gelobt. Sein Halalcontrol zertifiziert jedoch keine Fleischprodukte.  

Der Projektleiter des WHF Europe, der Brite Abdulhamid Evans, gilt als Halal-Botschafter von Malaysia, ist Herausgeber des renommierten Online Informationsdienstes „Halal Focus“ und führt die Beraterfirma „Imarat Consultants“. Diese bietet für den Halal-Markt mit Marktanalysen, Ausarbeitung von Firmenauftritten, Projektmanagement, Medienarbeit und Marketing & PR einen Full Service an. Nicht ganz uneigennützig führte Evans aus, dass bis heute viele beteiligte Firmen oder Zertifizierungsstellen nicht professionell genug arbeiteten. Er rief insbesondere die beteiligten muslimischen Organisationen auf, auch im Interesse der muslimischen Verbraucher bei den anstehenden Einigungen auf verbindliche Standards auch kompromissfähig zu sein.

Angesprochen worden ist laut „Islamischer Zeitung“ auch der Trend der Europäischen Union, Lebensmittel und Angaben über ihre Herkunft und Qualität noch mehr zu regulieren. „Muslime sollten jedenfalls das Markenzeichen ‚Halal‘ kritisch hinterfragen,“ riet ein Referent. Einmal mehr wurde heftig kritisiert, dass der Europarat eine Kennzeichnungspflicht für alle Fleischprodukte einführen will, die durch eine rituelle Schlachtung ohne Betäubung gewonnen werden. Nichts Neues, das Thema war schon während der 1. Europäischen Halalkonferenz in Düsseldorf im September Grund für eine Resolution an Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Ein Rechtsanwalt rief alle jüdischen und muslimischen Verbraucher auf, diese „diskriminierende“ Kennzeichnungspflicht abzulehnen und für ihre Verbraucherrechte einzutreten. Er warnte vor einer allgemeinen Tendenz in Europa zur „Skandalisierung normaler religiöser Praktiken“. 

Unter Beschuss nahm der gleiche Rechtsanwalt auch die Ergebnisse des soeben publizierten EU-Projektes „Dialog der Religionen“ (DIALREL), das sich mit der rituellen Schlachtung befasste. Für Experten war die Kritik nicht neu, sie war schon vor Wochen durch muslimische Verbände in Frankreich vorgetragen worden. „Leider fehlten in dem Programm aber genau die Wissenschaftler“, so der Rechtsanwalt, „die eben argumentieren, dass die Betäubung den Tieren mehr Schaden zufüge, als eine professionelle Schlachtung entsprechend jüdischer und islamischer Regeln“. Die „Islamische Zeitung“ nannte ihn „brillant“, eine Einschätzung, die in Deutschland nur wenige Experten teilen dürften. Die vermissten Wissenschaftler gibt es zwar, sie sind jedoch längst in der Minderheit und offenbar nicht bereit, die Entwicklung in der modernen Schlachttechnik auch nur zu erörtern. Der Schweizer Fachjournalist Peter Ziegler hat Zweifel, ob der Londoner Kongress für die deutschsprachigen Länder brauchbare Resultate brachte. „Das Beharren auf betäubungsloser Schlachtung nährt den Zorn islamphober Kreise und schadet dem Halal-Markt.“

Laut „Islamischer Zeitung “ riet ein Unternehmensberater den Muslimen zu einer PR-Kampagne über die Hintergründe von Halal-Produkten und im Falle der Schlachtung von Tieren auch zu offenen Gesprächen und Diskussionen mit Tierschutzorganisationen. Das wird  laut Ziegler in Deutschland, der Schweiz und Osterreich kaum möglich sein, solange das traditionelle Schächten im Vordergrund steht. „Die Pilger der gerade begonnenen Hadsch in Mekka benötigen Tonnen an Fleisch, um ernährt zu werden. Die Regierung von Saudi-Arabien und die dortigen Religionsgelehrten haben kein Problem damit Fleisch aus Australien und Neuseeland zu importieren, das von Schlachttieren stammt, die elektrisch betäubt worden sind.“ London sei inzwischen konservativer als Mekka und eine gesamteuropäische  Lösung könne nur in Brüssel geschaffen werden.

Der vollständige Bericht über das WHF Europe in der Islamischen Zeitung.

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