EU macht Verbraucherstudie: Kennzeichnung für Halal-Fleisch?

Brüssel (BZZ) – Die Europäische Kommission wird im kommenden Jahr die Verbraucher in einer Studie befragen, ob künftig auf den Etiketten von Fleisch stehen muss, nach welcher Methode das Schlachttier getötet worden ist. Dies teilte jetzt Denis Simonin, Tierschutzchef bei der EU-Generaldirektion für Gesundheits- und Verbraucherschutz mit.

„Wir werden die Verbraucher befragen, ob sie solche Informationen benötigen“, sagte Simonin anlässlich einer Veranstaltung des „European Meat Forum“ vor Europäischen Metzgermeistern, organisiert vom Europäischen Parlament. Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich noch 2013 veröffentlicht werden. „Wir haben nicht den Mut diese Frage selbst zu entscheiden, sagte der deutsche Christdemokrat Horst Schnellhardt, Mitglied des Europäischen Parlaments (EP), bei der Veranstaltung. Er sei davon überzeugt, dass eine Mehrheit im Europäischen Parlament sich die Informationen über Betäubung und Schlachtung auf dem Etikett wünsche.

Kurz vor Jahreswechsel, zu dem die von der Europäischen Union (EU) erlassene Verordnung 1099/2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung in Kraft tritt, haben Vertreter der nationalen Metzgerverbände sich bei der EU beklagt, dass viele Schlachthöfe die rituelle Schlachtung nur deshalb praktizieren, um die hohen Kosten für eine Betäubung der Tiere zu vermeiden. Die Metzger sind der Meinung, dass rituelle Schlachter durch die neue EU-Verordnung einen wirtschaftlichen Gewinn erzwingen können.

Brüssel hat bisher jedoch immer betont, es sei an den einzelnen EU-Mitgliedern zu entscheiden, welche Schlachthöfe mit Bezug auf die neue Verordnung aus religiösen Gründen von der Pflicht zur Betäubung befreit werden. Mit der Feststellung, „Religion ist Teil der Grundrechte und durch die EU anerkannt,“ reagierte Simonin auf die Bedenken der Metzger und bemerkte, dass Religionsfreiheit von jedem Land nach eigenem Ermessen ausgelegt werden dürfe und sich die EU als Autorität nicht einmische. „In Deutschland sind Tierschutz und religiöse Rechte auf dem gleichen Niveau“, erläuterte Simonin die verschiedenen Ansätze der EU-Mitgliedsstaaten hinsichtlich von Ausnahmeregelungen. Schweden, auf der anderen Seite, sei eines der Länder, das jegliche Schlachtung ohne Betäubung verboten habe.

„Ich war schockiert, als ich einen Schlachthof in Spanien besuchte, wo es eine Produktionslinie gibt, die nur für das rituelle Schlachten von Tieren bestimmt ist, deren Fleisch für den afrikanischen Markt verwendet wird,“ hat der deutsche MEP Schnellhardt angegeben. Er glaube deshalb, dass eine Kennzeichnungs-Verordnung zu mehr Kontrollen in den Schlachthöfen führen, was wiederum Missbräuche der rituellen Schlachtung verhindere.